MABB: Neue 88vier-Sendezeiten ab Mai 2016

88vier:  alter Sendeplan ab 2014 (links) im Vergleich mit neuem Sendeplan ab 2016 (rechts)

Der nichtkommerzielle Sendeverbund "88vier" der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) auf 88,4 MHz (Berlin) und 90,7 MHz (Potsdam) wurde um eine weitere Spielzeit verlängert. Die gute Nachricht: Pi Radio bekommt ab 23. Mai 2016 fünf wöchentliche Sendestunden am Freitag hinzu - das heißt, nach sechs "88vier"-Jahren erstmals einen dritten Sendeabend. Dies kann als positives Signal des Medienrats in Richtung Freies Radio gewertet werden. Ein noch positiveres Signal erhielt der Offene Kanal ALEX: er bekommt zukünftig 28 wöchentliche Sendestunden hinzu. Diese Entscheidungen wurden ermöglicht, da Multicult.fm, KiezFM und TwenFM zukünftig nicht mehr dabei sind*. Die übrigen 88vier-Veranstalter bleiben (nahezu unverändert) auf ihren alten Sendezeiten. Mehr zur Neuverteilung hier:

Entscheidung des Medienrats im UKW-Vergabeverfahren 88,4 MHz (Berlin) und 90,7 MHz (Potsdam)

Der Medienrat der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) hat in der vergangenen Sitzung über die Sendezeiten ab dem 21. Mai 2016 auf den nichtkommerziellen UKW-Hörfunkfrequenzen 88,4 MHz (Berlin) und 90,7 MHz (Potsdam) beraten und eine neue Sendezeitenaufteilung beschlossen.

Veränderungen:

  • multicult.fm (25h) ist nicht mehr dabei.*
  • KiezFM (5h) ist nicht mehr dabei.*
  • TwenFM (5h) ist nicht mehr dabei.
  • Alex behält seine Sendezeiten (45h) und bekommt zusätzlich noch Vormittagszeiten hinzu (28h).
  • Pi Radio behält seine Sendezeiten (22h) und bekommt zusätzlich noch Abendsendezeiten hinzu (5h).
  • BLN.FM behält seine Sendezeiten (18h) und bekommt am Wochende noch Mittagssendezeiten hinzu (2h).

unverändert:

  • ByteFM behält Montag bis Freitag 10:00 bis 12:00 Uhr (10h).
  • reboot.fm bleibt auf Samstag und Sonntag 19:00 - 0:00 Uhr (10h).
  • Frrapo, Studio Ansage und Colaboradio teilen sich erneut Montag und Dienstag 19:00 - 06:00 Uhr (22h).
  • Ohrfunk behält seine 4 Stunden am Wochenende (jetzt etwas früher).
  • radiomobil behält seine 2 Stunden am Wochenende (jetzt etwas früher).

Pressemitteilungen auf mabb.de und 88vier.de:

* Wie sich mittlerweile herausgestellt hat, sind multicult.fm und KiezFM zwar keine eigenständigen "88vier"-Veranstalter mit Sendeerlaubnis mehr, allerdings dürfen sie, laut mabb-Pressemitteilung (s.u.), auf dem Offenen Kanal ALEX weiter senden.

Kommentare

Alternative Öffentlichkeit???

Es gibt sie weiterhin nicht, eine relevante alternative Gegenöffentlichkeit zu den Mainstreamsendern im UKW-Radio - und die MABB hat sie mit 88vier erfolgreich verhindert. Die in einzelne Grüppchen gespaltenen Programmmacher dürfen auf einer weithin gestörten Frequenz vor sich hin experimentieren und alle zwei Jahre rechtfertigen und die beste Sendezeit belegt das staatlich-kontrollierte Alexradio. Besser empfangbare Frequenzen waren ja inzwischen verfügbar, aber der medienpolitsche Wille ist gar nicht vorhanden.
Bestimmt erinnern sich noch einige an Radio100 zur Wendezeit, auch wenn es privat-kommerziell finanziert war. So etwas wäre heute in Berlin und anderswo notwendig.

Frequenz 88,4 verbessert

Also, bei der 88,4 wurde mittlerweile das Antennendiagramm verbessert und die Sendeleistung erhöht, so dass der Empfang im Berliner Stadtgebiet jetzt recht ordentlich ist. Fürs Brandenburger Umland taugt die Frequenz freilich nicht wegen der 88,3 von Power Radio und Radio Zet, aber es gibt noch wesentlich schlechtere Frequenzen, wenn ich an die 97,2 von Radio Russkij denke, wo das Alex-Radio auch schon mal gesendet hat. Das UKW-Frequenzband ist nun mal voll. Eine DAB-Verbreitung wäre eine geeignete Alternative, aber da hat die MABB den Deckel drauf.

Ansonsten besteht halt das Problem, dass die MABB eine Zwei-Länder-Anstalt ist, und Berlin und Brandenburg nicht immer die gleichen Interessen verfolgen. Der politische Wille in Berlin reicht daher alleine nicht aus, wenn in Potsdam rumgezickt wird. Dazu kommt halt die fragmentierte Landschaft bei den freien Radios, was allerdings für Berlin nicht ungewöhnlich ist. Welches freie Radio soll denn für ein 24/7-Programm von der MABB gefördert werden und nach welchen Kriterien? Da würden sich dann sicherlich mehr Sender für eine freie Frequenz bewerben, als bei der Ausschreibung eines kommerziellen Radios. Dann ist die 88vier-Lösung das kleinere Übel, auch wenn ich persönlich auch nichts von einer Splittfrequenz halte.

Freie Radios

Wer sollen denn diese Freien Radios in Berlin deiner Meinung nach sein? Das einzige anerkannte Freie Radio in Berlin ist Pi Radio, das anerkanntes Mitglied des Bundesverbandes Freier Radios und des Weltverbandes der Community Radios AMARC ist. Daneben gibt es mit Onda eine Radiogruppe, die ebenfalls Mitglied des Bundesverbandes Freier Radios ist. Die Voraussetzungen Freier Radios werden beim Bundesverband klar eingegrenzt.

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Definition Freier Radios

Nach meiner Meinung sind freie Radios nichtkommerziell, also nichtkommerzielle Lokal- und Regionalradios (NKL oder NKR). Eine Mitgliedschaft im Bundesverband freier Radios sehe ich nicht als Voraussetzung, zumal das auch eine Kostenfrage ist. Von daher gehören nach meiner Meinung mit Ausnahme des Alex-Radios unter anderem alle Radios dazu, die bei 88vier senden bzw. gesendet haben. Dabei dürfte die Berliner NKL-Radiolandschaft auf der 88vier noch nicht einmal vollständig abgebildet sein.